Grippe oder Erkältung: Was der Unterschied ist und wer sich impfen lassen sollte

Zum Start der Grippesaison: woran Sie Grippe und Erkältung unterscheiden, was bei einem Infekt wirklich hilft und wem die STIKO die Impfung empfiehlt.
Die Grippesaison geht los. Das Robert Koch-Institut misst seit Anfang Oktober wieder mehr Grippeviren, auch im Abwasser. Der Höhepunkt liegt meist nach dem Jahreswechsel, letztes Jahr ging die Welle aber schon Ende November los. Jetzt ist also die Zeit, sich darauf einzustellen.
Dabei fällt mir jedes Jahr auf: Das Wort „Grippe“ wird für fast alles benutzt, was mit Husten und Schnupfen zu tun hat. Meistens ist es aber keine.
Zwei verschiedene Krankheiten
Eine Erkältung nennt man im Alltag oft „grippalen Infekt“. Der Name ist unglücklich, denn mit der Grippe hat sie nichts zu tun. Erkältungen werden von über hundert verschiedenen Viren ausgelöst. Sie sitzen meist in Nase, Nebenhöhlen und Rachen.
Die echte Grippe heißt Influenza. Sie wird nur von Influenzaviren ausgelöst. Die beginnen auch im Rachen, können aber tiefer gehen, bis in die Bronchien und die Lunge.
Woran Sie den Unterschied merken
Am Anfang. Eine Erkältung schleicht sich an. Erst kratzt der Hals, dann läuft die Nase, nach ein paar Tagen kommt der Husten. Fieber gibt es selten, und wenn, dann nur leicht.
Eine Grippe kommt plötzlich. Morgens noch gesund, mittags liegt man im Bett. Dazu gehören meist:
- hohes Fieber, oft 39 Grad und mehr, mit Frösteln
- starke Kopf- und Gliederschmerzen, der ganze Körper tut weh
- trockener Husten
- ein Gefühl von völliger Erschöpfung
- wenig Schnupfen
Nach fünf bis sieben Tagen geht es meist wieder aufwärts. Husten und Müdigkeit können länger bleiben.
Ganz so einfach ist es leider nicht immer. Nur etwa jeder dritte Infizierte hat diesen typischen Verlauf. Ein Drittel hat es leichter, eher wie eine Erkältung, ein weiteres Drittel merkt gar nichts. Und auch Corona kann genauso aussehen wie eine Grippe. Bei älteren Menschen fehlt das Fieber oft. Sicher unterscheiden lässt sich das nur mit einem Test.
Wann Sie zum Arzt sollten
Die meisten Infekte heilen zu Hause aus. Melden Sie sich aber in der Praxis, wenn einer dieser Punkte zutrifft:
- hohes Fieber, das länger als drei Tage anhält
- das Fieber steigt wieder, nachdem es schon besser war
- Luftnot oder schnelle Atmung
- Husten mit Auswurf, der eitrig ist oder Blut enthält
- Sie sind ab 60, chronisch krank oder schwanger und werden plötzlich krank, mit oder ohne Fieber
Bei starker Luftnot, Schmerzen in der Brust oder Verwirrtheit rufen Sie die 112.
Für Risikopatienten gibt es ein Medikament gegen Grippeviren. Die Behandlung muss in den ersten zwei Tagen beginnen und verkürzt die Krankheit um knapp einen Tag. Ob es schwere Verläufe verhindert, ist nicht belegt.
Was Sie selbst tun können
Gegen die Viren selbst hilft kein frei verkäufliches Mittel. Sie können dem Körper aber die Arbeit erleichtern:
Ruhe. Bleiben Sie zu Hause, bis es deutlich besser ist.
Trinken. Bei Fieber verliert der Körper Flüssigkeit.
Fieber nicht sofort senken. Fieber ist keine Krankheit, sondern eine Abwehrreaktion. Der Körper heizt, weil die Abwehr bei höherer Temperatur schneller arbeitet. Sie müssen es nicht senken, nur weil das Thermometer 39 zeigt. Senken dürfen Sie es, wenn Sie sich damit besser fühlen, etwa mit Paracetamol oder Ibuprofen. Für Kinder und Jugendliche gilt: kein ASS (Acetylsalicylsäure, zum Beispiel Aspirin), das kann bei ihnen eine seltene, aber gefährliche Hirnschädigung auslösen.
Honig bei Husten. Ein Löffel Honig lindert den Husten nachweislich etwas. Nicht für Kinder unter einem Jahr.
Nasenspray höchstens eine Woche. Länger macht die Nase abhängig davon.
Kein Antibiotikum. Es wirkt nur gegen Bakterien, nicht gegen Viren. Bei einer Erkältung bringt es nichts, macht aber Nebenwirkungen.
Und etwas Geduld: Husten dauert nach einer Erkältung im Schnitt fast drei Wochen. Das ist normal, solange er langsam besser wird.
Wie die Grippeimpfung funktioniert
Gegen die Erkältung gibt es keine Impfung, gegen die Grippe schon.
Der Impfstoff enthält Bruchstücke von abgetöteten Grippeviren. Der Körper lernt daran, wie das Virus aussieht, und bildet Antikörper. Das sind Eiweiße, die sich an die Andockstellen des Virus heften. Kommt später das echte Virus, kann es blockiert werden, bevor es in die Zellen der Atemwege eindringt.
Bis der Schutz steht, dauert es 10 bis 14 Tage. Und er muss jedes Jahr erneuert werden: Die Antikörper lassen über das Jahr nach, und die Viren verändern sich. Deshalb wird der Impfstoff jedes Jahr angepasst, für diese Saison sind alle drei Bestandteile neu.
Von der Impfung bekommt man keine Grippe. Der gespritzte Impfstoff enthält keine Viren, die sich vermehren können. Was vorkommt: ein schmerzender Arm, manchmal ein bis zwei Tage Müdigkeit oder leichtes Fieber.
Für wen die STIKO die Impfung empfiehlt
Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Impfung in dieser Saison für:
- Alle ab 60 Jahren. Für sie empfiehlt die STIKO ausdrücklich einen stärkeren Impfstoff, mit mehr Wirkstoff oder mit einem Wirkverstärker. Beide wirken bei Älteren etwas besser als der normale Impfstoff.
- Chronisch Kranke ab 6 Monaten. Dazu zählen Erkrankungen von Atemwegen (auch Asthma und COPD, die dauerhaft verengten Atemwege), Herz und Kreislauf, Leber und Nieren. Ebenso Diabetes, starkes Übergewicht ab einem BMI von 30, Nervenkrankheiten wie Multiple Sklerose und eine geschwächte Abwehr.
- Schwangere ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel, bei Vorerkrankungen schon ab dem ersten.
- Bewohner von Pflegeheimen und alle, die mit Risikopatienten zusammenleben oder sie betreuen.
- Beruflich. Beschäftigte in Medizin und Pflege sowie Menschen mit viel Publikumsverkehr.
- Menschen mit engem Kontakt zu Geflügel oder Schweinen. Neu seit 2025, damit sich Vogelgrippe- und normale Grippeviren nicht im selben Menschen mischen. Vor der Vogelgrippe selbst schützt die Impfung nicht.
Für Gesunde unter 60 spricht die STIKO keine Empfehlung aus. Sinnvoll kann die Impfung trotzdem sein: Wer seine Eltern im Pflegeheim besucht oder ein Neugeborenes zu Hause hat, schützt damit ein Stück weit auch die anderen.
Wie gut sie schützt
Hier will ich ehrlich sein. Die Grippeimpfung ist keine der starken Impfungen. Je nach Saison verhindert sie 20 bis 60 von 100 Erkrankungen. In der letzten Saison lag sie eher am unteren Ende, weil ein Virustyp sich kurz vor der Welle verändert hatte.
Das Robert Koch-Institut rechnet für ältere Menschen so vor: Von 100 Ungeimpften erkranken in einer Saison etwa 10 an Grippe. Von 100 Geimpften sind es etwa 6.
Das klingt nach wenig. Aber die Grippe ist häufig: In der letzten Saison hatten geschätzt 12 Millionen Menschen in Deutschland eine Grippe, 65.000 lagen deswegen im Krankenhaus. Und wer trotz Impfung erkrankt, hat nach den vorliegenden Studien oft einen leichteren Verlauf.
Wann der beste Zeitpunkt ist
Oktober bis Mitte Dezember, und je früher, desto sicherer vor der Welle. Wer es verpasst, holt es nach, auch im Januar lohnt es sich noch.
Wer außerdem eine Corona-Impfung oder eine Impfung gegen RSV braucht (ein Atemwegsvirus, das Ältere schwer treffen kann), kann beides am selben Termin bekommen, in verschiedene Arme.
Das Wichtigste zum Schluss
Schleichend mit Schnupfen ist es meist eine Erkältung. Plötzlich mit hohem Fieber und Gliederschmerzen ist es vermutlich eine Grippe. Als Risikopatient rufen Sie dann früh in der Praxis an.
Merksatz: Fieber muss man nicht senken, nur weil es da ist. Und wer ab 60 oder chronisch krank ist, lässt sich bis Mitte Dezember impfen.
Quellen: Ständige Impfkommission (Epidemiologisches Bulletin 4/2026 und 44/2024), Robert Koch-Institut (Ratgeber Influenza, Saisonbericht 2025/26, Wochenbericht KW 41/2026, FAQ zur Grippeimpfung), Paul-Ehrlich-Institut, WHO, IQWiG (gesundheitsinformation.de), Cochrane-Übersichten zu Antibiotika, Honig und Grippemitteln, DEGAM-Leitlinie Husten, Bundesinstitut für Risikobewertung (Honig für Säuglinge).



